Zu viel Bergliebe - Sind unsere heimischen Berge noch vor uns selbst zu retten? Meine Gedanken zu diesem Thema

Der Berg-Hype und unsere Sehnsucht nach den Alpen sind riesig: jede Woche auf einem anderen Gipfel, Mountainbiken, Wandern, Canyoning. Blöd nur, dass wir mit unserem Verhalten die Berge und Natur gleichzeitig auch kaputt machen.


In diesem Jahr ist der Ansturm auf unsere Bergwelt in Bayern noch größer als die Jahre davor


Wildcamper, Müllberge am Gipfel, Kolonnen von Menschen auf Wanderwegen unterwegs wie am Anstieg zum Mount Everest – dazu noch Massen von Blechlawinen auf den Zufahrtswegen in die Bergregionen. In diesem Jahr stürmen mehr denn je Erholungssuchende die Alpenidylle Bayerns. 

Bis zu 24 000 Menschen kommen zum Beispiel an sonnigen Wocheneden an den Walchensee, in rund 7000 Autos. Die Parkplätze sind dann schon in aller Frühe um 09:00 Uhr völlig überfüllt. 
Die Ausflügler, die erst am späten Vormittag kommen, stellen ihre Autos dann auf Zufahrtswegen zu Bauernhöfen oder in den Wiesen der Bauern ab, ohne sich über die Folgen Gedanken zu machen. 
Um Parkverbote und Rettungswege kümmert sich kaum noch jemand. Schier endlose Blechschlangen wälzen sich überdies durchs Tegernseer Tal, durch Wallgau, Krün und Kreuth - und am Sonntagabend wieder hinaus Richtung München.

Hier spürt man besonders, dass München jährlich um mehr als Zehntausende Einwohner wächst. Ich kann es den Leuten in den Wohnungen nicht verdenken, dass sie an sonnigen Tagen raus wollen aus der Stadt. Doch muss das immer jedes Wochenende sein und müssen es immer die Bayerischen Voralpen sein? Bayern ist doch nicht nur Schliersee, Tegernsee und Karwendel.

Unsere Berge sind 2020 im Urlaubsstress


Die wildromantische Landschaft, nur über eine enge Mautstraße mit Auto zugänglich, verleitet viele dann noch zum verbotenen Kampieren. Wildcampen ist in diesem Sommer mehr denn je zum Trend geworden und wenn man die Tageszeitung aufschlägt liest man fast jeden Tag von Wildcampern in Schutzgebieten die Feuer machen, oder in vorher klaren sauberen Bergseen, mit Waschpulver ihre verschwitzten Klamotten waschen und daneben ihre Notdurft verrichten.




Viele scheuen die Übernachtung in Pensionen oder Hotels und auf Berghütten gibt es wegen der Abstandsregeln nur begrenzt Plätze und viele die im letzten Jahr noch auf Hütten übernachtet hatten, haben jetzt Angst sich dort mit Corona anzustecken.


Die Outdoor-Industrie macht dieses Jahr mit Campingartikeln wie Zelten und Geschirr Rekord Umsätze, der DAV wird überrannt von neuen Mitgliedern und der Berg-Hype und unsere Sehnsucht nach einer Auszeit, sind stärker denn je geworden. Nicht nur zum Mountainbiken oder Freeriden, sondern auch zum Wandern. 
Viele Jahre konnte man mit den Bergen niemanden unter 60 aus der Stadt locken, jetzt sind sie unserer Lieblingsmotive auf Twitter, Instagram und Co. in den Sozialen Medien geworden und jeder der so ein Posing-Foto an einem dieser tollen Plätze im Netz sieht, möchte sein eigenes davon gleich hinterher senden.

Die Generation „Fun“ hält immer mehr Einzug


Die Berge bieten einen guten Gegenpol zu unseren wenig planbaren Lebensentwürfen. Wir haben Stress und Zeitdruck im Job und brauchen dann einfach etwas Erholung. Einen Ausgleich, bei dem das Handy nicht alle fünf Minuten klingelt. Und in Zeiten von Corona, wo ein schneller Kurztrip an den Gardasee oder in die Alpen unserer Nachbarstaaten nicht mehr so einfach umzusetzen ist, wo geht das besser als in den Bergen unserer Bayerischen Heimat? 

Blöd nur, dass wir mit dem Run auf die Berge – von einem Gipfel zum nächsten Jagen, Klettern, Mountainbiken oder Wandern – die Alpen verändern und kaputt machen. 

Genau aus diesem Grunde habe ich für heuer – 2020 – den Bayerischen Bergen erst einmal „Lebe Wohl“ gesagt, wenn auch sehr schweren Herzens.

Die Bergwacht ist gut beschäftigt


Vier überforderte deutsche Wanderer haben einen Rettungseinsatz in den Alpen zwischen Österreich und Deutschland ausgelöst, sie hatten viel zu schwere Rucksäcke dabei und konnten nicht mehr weiter. Ein Hubschrauber rettete einen Erschöpften Klettersteiggeher aus der Wand und ein Pärchen hat sich in der Zeit verschätzt und in der einbrechenden Dunkelheit den Weg zurück nicht mehr gefunden. Solche Schlagzeilen liest man inzwischen jede Woche in den Medien.

Jeder der in den Bergen unterwegs ist, sollte sich auch vor Augenführen, das jeder Rettungseinsatz der Bergwacht auch für die Retter zur Gefahr werden kann. Einmal abgesehen von den Kosten. Eine Flugminute eines Rettungshubschraubers der Bergwacht kostet im Schnitt 85 Euro. Wenn also die Rettungsaktion 1 Stunde dauert, ist man schnell mal mit 5000 € dabei, die auch meist keine Versicherung übernimmt. Eine genaue Tourenplanung und Einschätzung der eigenen Fähigkeiten sind daher das A und O, wenn ihr in die Berge geht. Gleich ob Ihr zu Fuß oder mit dem Bike unterwegs seid, ob ihr eine Tour auf 1200 oder 3000 Meter unternehmt.

Verzicht ist auch Naturschutz


Problematisch ist nicht nur, dass wir meistens mit dem Auto in die Bergen fahren, sondern auch, dass immer mehr Leute am liebsten vorgefertigte, buchbare Bergerlebnisse konsumieren, so oft wie möglich. Hauptsache sich um nichts kümmern müssen und einfach nur ein paar Stunden Spaß haben. Aber solche Bergerlebnisse haben mit "Berg erleben" meiner Meinung nach nicht mehr viel zu tun.
Doch in letzter Zeit werden diese Trend-Bergler immer mehr. Es gibt einige Leute, die denken, wenn sie sich ein Paar Bergschuhe und ein Fesches Gewand kaufen, dann sind sie echte Bergsteiger. Klamotten für den Berg und Erlebnisse am Berg kann sich also jeder easy kaufen und konsumieren. 

Die Natur können wir aber nicht von dem CO2 freikaufen, dass wir jedes Wochenende in die Luft blasen um in die Berge kommen. Deswegen müssen wir an unserem Konsum schrauben. Es geht nicht darum, dass wir alle zuhause bleiben sollen. Aber es kann auch nicht sein, dass jetzt vielleicht noch mehr Hotels, Hütten und Lifte gebaut werden, nur weil immer mehr von uns immer öfter in die Berge fahren. Denn dann gibt's irgendwann keine Wildnis mehr in Bayerns Bergen.

Und genau wegen der, gehen wir ja in die Berge, wegen unserer Sehnsucht nach Ruhe und Natur. Wir müssen sorgsamer und bewusster mit dem umgehen, was jetzt noch da ist. Und wir müssen hinterfragen, warum wir jedes Wochenende in die Berge rennen: Geht’s um die Erfahrung in der Natur, den Sport, die Auszeit? Oder eher um ein großartiges Berg Foto, frei nach dem Motto: Ein guter Tag am Berg ist, wenn ein gutes Foto für Instagram dabei rauskommt.

Erlebnisse, die länger anhalten bedeuten sparsamer dosierter, aber dafür bewussterer Bergkonsum. Und damit werden die Staus, der CO2-Ausstoß, die überlaufenen Hütten und die Konflikte auf Wanderwegen automatisch ein bisschen reduziert – im Gegenzug gibt's ein Plus an Ruhe und Einsamkeit, die wir uns am Berg ja immer wünschen. 

Aber sag jetzt nicht: Hey, was kann „Ich“ schon ändern? Denn das große Ganze setzt sich nun mal aus dem Handeln jedes einzelnen zusammen. Und da niemand von uns Bock auf Verbote oder konsequente Regulierungen hat, geht’s nur so. Sonst machen wir das, was wir so sehr Lieben mit unserer großen Bergsehnsucht unwiederbringlich kaputt.

Alternativen zu den Bergen


Schwindelerregende Höhen, die weite Natur und eine sagenhafte Aussicht: Kein Wunder also, dass der Herzogstand als meistbesuchter Berg in Bayern das Ziel vieler Touristen ist. Doch wer sich mehr Ruhe für den Ausflug wünscht, hat Alternativen. Dazu zählt zum Beispiel eine Reise in das oberbayerische Inntal, das Frankenland, den Oberpfälzer oder Bayerischen Wald oder den Naturpark Altmühltal zwischen München und Nürnberg.

Dieser Beitrag spiegelt meine Meinung zum Thema Berge und Tourismus 

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