VIA FERRATA DELLE TRINCEE KLETTERSTEIG - MARMOLATA TRENTINO - ITALY

Wer braucht schon einen Meeresstrand mit Blick zum Horizont, wenn er die Alpen und wunderbare Bergseen direkt vor der Haustür hat?




Als Bergsportbegeisterter schätze ich die landschaftliche Vielfalt im Trentino, die sich zwischen Bozen und dem Gardasee auftut.

So ist es mir auch an einem Berg ergangen, den ich bis vor einem Jahr überhaupt noch nicht am Radar hatte, der aber zu den schönsten der ganzen Alpen gehört, der Marmolata.

Um zu diesem König der Berge zu gelangen, fährst du Richtung Val di Fassa im Fassatal und dann Richtung Fedaiasee – Fedaia Pass auf 2044m.

Parkmöglichkeiten gibt es gleich am Anfang des Stausees.

Und auf der anderen Seite der Marmolata gibt es einen Klettersteig der Naturschau


Die Via Ferrata delle Trincee (Via Ferrata der Gräben) ist ein schwieriger, aber faszinierender und sicherer Klettersteig auf dem Kamm des Padon, mit dunklem Gestein vulkanischen Ursprungs, mit tollem Ausblick auf den Marmolata-Gletscher und die umliegenden Berge.

Entlang der Route sieht man verschiedene Stellungen der Österreicher aus dem 1. Weltkrieg.


Dort die Straße überqueren und leicht rechts kurz über den Forstweg und dem Steig 698 (blau) nach oben bis zur Bergstation Vescovo auf 2478m folgen.


Von der Bergstation geht es rechts weiter ca. 30 Minuten bis zur Einstiegswand des Klettersteiges. Dort ist auch genug Platz, um sich anzurödeln.


Mich erwartet endlich mal ein sinnvoll angelegter Steig, denn der Einstieg trennt die Spreu vom Weizen.

Eine nahezu senkrechte, trittarme Wand aus in diesem Gebiet untypischem Lavagestein fordert alles, vor allem, wenn die Wand früh morgens noch im Schatten liegt. Die Einstiegswand, in der Literatur als die Schlüsselstelle der Tour propagiert, ist wirklich senkrecht und bis auf wenige Stellen ganz glatt.




Die ersten 30 m muss ordentlich zugepackt und gut auf Felsreibung getreten werden. Als Kletterer hat man es da schon etwas leichter. Der Rest ist dann ein Gratklettersteig am Kamm entlang immer wieder auf und ab. Rechts die Marmolata, links Fanes und die Tofanen – einfach Klasse.




Für die 860 Höhenmeter im Klettersteig mit einigen kniffligen Stellen benötigt man normalerweise vier Stunden, für den Abstieg durch steiles Gelände noch einmal zwei weitere Stunden. Nachdem die Ferrata nach Süden exponiert ist und ich mir einen der wärmsten Tage im Juni für die Begehung ausgesucht habe, ist also schwitzen schon mal vorprogrammiert.







Umso wichtiger ist es neben einer vollständigen Klettersteigausrüstung und einer Stirnlampe (Stollen am Ende) genügend Trinkwasser auf diesem Steig mit zu nehmen. Unterwegs gibt es keine Wasserquelle, um die Trinkflasche wieder auffüllen zu können.


Schnell geht es also mit unglaublichem Panoramablick zu den umliegenden Dolomitengipfeln und der Marmolata die erste Wand hinauf. Doch schon danach geht es moderater weiter. Entlang am Stahlseil, welches in diesem ersten Teil des Steigs ständig vorhanden ist.
Immer wieder geht es vorbei an alten Kriegsstellungen.



Ab und zu sind schwierige, trittarme und ausgesetzte Stellen zu überwinden, doch mit Hilfe des Drahtseils gelingen auch diese.
Ich erreiche eine neue Holzbrücke, die über eine Scharte reicht. Von hier geht es jetzt steil hinab in eine breite Scharte die eine Abstiegsmöglichkeit Richtung Penia bieten würde.
Ich werde den Steig aber komplett machen.


Der Weg, der in dem alten Kriegsstollen durch die Mesolina Festung seinen krönenden Abschluss findet, zieht sich doch noch einmal gewaltig hin. Landschaftlich ist er jedoch absolut empfehlenswert, die Ausblicke sind einfach zu grandios!




Doch irgendwann ist auch dieses Stück noch absolviert und ich stehe am Eingang zu den Stollen. Schnell die Stirnlampe auf und rein in die kühle Höhlen Welt. Inzwischen ist das Thermometer auf über 30 Grad angestiegen.

Die Stollen sind kein Problem, sind aber ohne Lampe nicht empfehlenswert, da sich im Stollen ebenfalls Wegkreuzungen befinden und man der Markierung folgen sollte. Wieder im Tageslicht steht man direkt vor dem Bivacco Bontadini auf 2552 Meter, einer Notunterkunft.


Jetzt ist erst einmal Zeit für eine längere Rast, und um das tolle Panorama zu genießen, bevor es an den Rückweg geht.


Der Abstieg erfolgt vom Gipfel dann Richtung Rifugio Padon.

Von dort aus geht es unterhalb des Grates in nordwestlicher Richtung zurück Richtung Bergstation Vescovo und von dort über den Weg 698 zum Parkplatz am Fedaiasee.


Dieser ist genau richtig um noch ein schönes Fußbad in dem klaren Bergwasser des Stausees zu nehmen, bevor es zurück nach Soraga di Fassa geht.



Fazit:

Kriegshistorischer Steig (1914-1918)

der sehr gute Sicherungen hat und es auf jeden Fall Wert ist begangen zu werden.
Für Kinder mit Einschränkungen zu empfehlen. evtl. ein Sicherungsseil mitnehmen.


Daten:

Dauer der gesamten Tour 6 - 7 Stunden

Schwierigkeit D

Für Anfänger geeignet? Nein

Höhenunterschied der Tour (gesamt) 700m

Gipfelhöhe 2727m



Das Video dazu findet ihr hier: FerrataDelleTrincee

Habt Ihr Fragen zum Klettersteiggehen? Schreibt mir einfach!

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