Auf dem Karwendel – Gratwanderung für Ein und Aufsteiger

Nachdem ich vor 2 Jahren den Mittenwalder Klettersteig gemacht hatte, konnte ich mir nicht vorstellen, dass ich ihn noch einmal gehen werde.




Warum nicht?

Nun, er ist ja eigentlich kein richtiger Klettersteig, sondern ein Höhenweg mit Klettereinlage, und der Abstieg führt auf über 1400 Höhenmeter ins Tal, was die Knie schon sehr beansprucht.
Da es im diesjährige Sommer bis jetzt sehr gemischt war was das Wetter betrifft und mit dem Hintergedanken im Urlaub ein größere Toure zu machen, habe ich mich kurzerhand dann doch noch einmal dafür entschieden.

Der Wetterbericht sagte einen Gewitter freien Tag – zumindest bis in den späten Nachmittag voraus und so sah ich mich letztes Wochenende dazu veranlasst, mich kurzerhand ins Auto zu schwingen, passende Kleidung und Klettersteigset im Kofferraum zu verstauen und unter dröhnenden Fanfaren (in meinem Kopf) nach Mittenwald in der Nähe von Garmisch-Partenkirchen zu fahren.

Dieser Klettersteig punktet gleich in mehreren Bereichen:

1. Er ist etwa zwei Stunden von Ingolstadt entfernt,
2. ist sehr gut gesichert und gepflegt,
3. verläuft z. T. direkt auf dem Grat und ermöglicht einen fantastischen Panoramablick ins Tal und
4. hat einen KURZEN Zustieg – dank Seilbahn

Anmerkung:

An dieser Stelle sei aber gesagt, dass der Mittenwalder Höhenweg kein richtiger Klettersteig ist. Er ist eher eine Mischung aus Klettersteig, Gratwanderung mit teils recht ausgesetzten Wegen und ausgiebiger Wanderung. Eines ist aber sicher, es gibt nicht viele Wege, die über die komplette Tour eine derart schöne Aussicht bieten. Von der Karwendel-Bahn aus kann man sowohl den südlichen als auch den nördlichen Teil des Klettersteigs gehen. Ich habe mich für den südlichen Teil entschieden, da für den nördlichen noch einmal 1,5 bis 2 Stunden einzuplanen wären, und ich diesen vor 2 Jahren auch schon einmal gemacht hatte.



Entspannt erreicht man den Mittenwalder Klettersteig 

Und obwohl man schnell am Startpunkt ist, ist er nicht zu unterschätzen. Allein im Klettersteig verbringt man je nach eigener Geschwindigkeit etwa drei Stunden. Der Klettersteig ist gut gepflegt und bietet ideale Bedingungen für Klettersteig - Anfänger – Skala A/B -  viele Sicherungen und keine nennenswert schwierigen Passagen, auf denen der frische Bergsteiger sich Schwindelfreiheit und Trittsicherheit aneignen kann.
Dennoch, an einigen Stellen sollte man besonders gut aufpassen, nicht nach rechts oder links auszurutschen und sich unfreiwillig einem Einweg-Ganzkörperpeeling zu unterziehen.



Auf meinem Weg sind an diesem Tag nicht viele Klettersteigfreunde unterwegs, und so ist es mir auch am liebsten. Dann kann ich sogar anhalten und direkt vom Grat ins Tal schauen. Die Aussicht ist schier endlos. Unten schlängelt sich die türkisfarbene Isar zwischen saftigen grünen Wiesen, der Wind pfeift wild, die Felsspitzen gehören mir. Heiße Sonnenstrahlen und eine angenehme Brise treffen aufeinander und für einen kurzen Augenblick ist sie doch da – die Stille, wie sie einem nur in den Bergen begegnet… Wunderbar…

Nur mit Helm und gutem Klettersteigset


Der Mittenwalder Höhenweg verläuft anfangs über die Linderspitzen, kurz unterhalb der Sulzleilammspitze wendet sich dieser nach links. An dieser Stelle steht übrigens auch das „Notbiwak“, Gamsanger.

Spätestens ab hier ist der Helm unverzichtbar, da Schilder vor Steinschlag warnen. Grundsätzlich sollte man diesen Steig nur mit Klettersteigset und Helm gehen. Eine Gedenktafel mahnt: An dieser Stelle starb ein Wanderer durch Steinschlag.

Der Kenner weiß, an der Nordwand fallen häufig Steine oder Felsbrocken herunter. Hat man die Nordwand hinter sich, kommt man im Zickzack bergauf rasch in die Ostseite der Sulzliklammspitze. Als letzten Gipfel macht man sich schließlich noch auf Richtung Kirchlspitze.
Nachdem man diese hinter sich gelassen hat kommt man auch rasch zum Ende des Mittenwalder Höhenwegs.

Inzwischen brauen sich schwarze Wolken am Horizont Richtung Zugspitze zusammen.

Donner zerreißt die Bergluft und ich kann zusehen, wie sich strömender Regen über das Tal und die Gipfel in der Ferne ergießt. Gewitter im Gebirge – dieses Extra sollte man nicht erleben. Schon gar nicht solange man an „dem besten Blitzableiter der Welt“ angebunden ist. Und so bin ich Glücklich das das Wetter noch etwas hält und ich den Abstieg vorbei an der renovierten Tiroler Hütte antreten darf. Der fast dreistündige Abstieg ist nicht ganz nach meinem Geschmack. Ich mag keinen Abstieg über Geröllfelder.

Mit meinen Wanderstöcken, die ich für den Abstieg wärmstens empfehlen würde, schaffe ich es strammen Schrittes bis zur Brunnsteinhütte. Hier gönne ich mir erst mal eine schöne Brotzeit und zwei Radler um meine Isotopen wieder auf zu füllen. Draußen auf der Terrasse kann man inzwischen beobachten wie das Gewitter über der Zugspitze bei Blitz und Donner seine Kreise dreht.

Gestärkt machen ich mich langsam auf zum den letzten Teil des Abstieges und behalte das Wetterintermezzo bei der Zugspitzarea schön im Auge.

Nach etwa einer Stunde hat auch dieser Abstieg ein Ende und nach einem weiteren, nicht mehr nennenswerten, dreißig-minütigen Fußmarsch erblicke ich auch schon den Parkplatz der Karwendel Bahn. Gerade freute ich mich schon das ich trockenen Fußes ankomme, als es anfängt wie aus Eimern zu schütten. Kurze und knackige 10 Minuten haben gereicht mich wie einen begossenen Pudel da stehen zu lasen.

Aber alles halb so wild, trocknet ja wieder, dachte ich bei mir und verstaute Fix meine Sachen im Auto um die Rückreise an zu treten.

Fazit:

Der Mittenwalder Höhenweg (Klettersteig/Feratta) ein Weg für Könner und Genießer.

Wäre ein Klettersteig auch was für dich?

Das Video: Mittenwalder Klettersteig

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