Eichstätt im Altmühltal? Wo bitte liegt Eichstätt?

Warum eine Stadt versucht Erwachsen zu werden, es aber nicht richtig schafft





Eichstätt ist eine Kleinstadt in Bayern mit gerade einmal 14.000 Einwohnern und sozusagen mein Heimatort.

Jedes Mal, wenn ich durch die Stadt gehe berührt mich die Ruhe und Schönheit, die Luft und die Sicht auf die umliegenden Wälder rechts und links vom Tal. Ich blicke über Kirchtürme hinweg auf die Höhenzüge des Juras und frage mich, warum der Fortschritt in dieser Stadt stehen bleibt.
Man landet eher beim vorbeifahren auf der B13 oder vorbeigehen in Eichstätt.

Im Sommer sind es die Radtouristen, die in den Naturpark Altmühltal kommen und vor dem Eichstätter Dom in die Bremsen steigen oder Wanderer, die auf dem Altmühltal Panoramatrip sind. Im Rest des Jahres? Wer kommt da nach Eichstätt?

Sie schieben ihre Räder überrascht an den Bürgerhäusern in der Pfahlstraße und am Residenzplatz vorbei, finden aber außer ein paar Eisdielen, Cafés und vielen Bäckereien nur wenige andere Geschäfte, die zum Bummeln oder Schoppen einladen würden, geschweige denn eine richtig schön gestaltete Fußgängerzone.

Im Übrigen ist es sehr ratsam das Rad am Residenzplatz zu schieben, da es mit dem Kopfsteinpflaster, das schon seit Jahren nicht mehr erneuert wurde, nicht gerade zum Besten gestellt ist, was Schlaglöcher und Bodenwellen betrifft. Eigentlich Schade. Aus so einem schönen Platz könnte man gestalterisch wirklich mehr herausholen.


Kirchen, eine Uni und eine Burg – eine Stadt mit Flair?


Gründe dazu hätte sie genug:

Eichstätt liegt nicht weit entfernt vom obergermanisch-rätischen Limes und kann auf eine Jahrhunderte alte Geschichte zurückblicken.

Bereits in der Hallstattzeit (8. bis 6. Jahrhundert v. Chr.) und der Zeit der Kelten (Latènezeit ab 5. Jahrhundert v. Chr.) befand sich eine kleine Ansiedlung ungefähr an der Stelle des Domes, die den Namen Eistedd (vermutlich aus dem Keltischen: Wohn- oder Versammlungsstätte) trug. Zwischen 80 und 260 n. Chr. war Eichstätt Teil der Provinz Raetia und beherbergte eine kleine Römersiedlung (Villa Rustica), deren Lage nördlich oder nordöstlich des Doms vermutet wird. Zwar wurden im Dombereich römische Funde gemacht, römische Baureste wurden jedoch nicht gefunden.
Nördlich von Eichstätt verlief der Limes. Dieser wurde in den Jahren 213, 233 und 259 von den Alemannen gestürmt und die Römer zogen sich über die Donau zurück.

Im Mittelalter wurde das Gebiet um Eichstätt auch zum Weinanbau genutzt. Die dafür angelegten Terrassen sind teilweise heute noch zu erkennen. Ganz in der Nähe bei Pfünz hat man vor Jahren auch Teile eines Römischen Kastells wiederaufgebaut. Zwei Türme und eine Mauer – wäre das nicht eine Gelegenheit gewesen ein „Lebendes Museum“ einzurichten, in dem man das ganze Kastell wieder so erbaut wie es einmal war? In Frankreich funktioniert das sogar mit Burgen.

Aber gut – man kann nicht alles haben und obwohl es an Sehenswürdigkeiten wirklich nicht mangelt, habe ich den Eindruck das die Stadt einfach kein richtiges Vermarktungskonzept findet.

Da gibt es eine Uni, eine Burg, Museen und da ist der Frauenberg auf dem Jura samt zahlreichen Wanderwegen drum herum, da ist besonders der in ganz Europa und darüber hinaus Bekannte Altmühltal Panoramaweg zu erwähnen, und nicht zu vergessen die Kletterhalle des DAV Eichstätt.
Der Jurabloc  – ach fast hätte ich es vergessen – die Kletterhalle steht auf dem Gebiet der Gemeinde Schernfeld, stellt sich die Frage warum man das nicht im Stadtbereich von Eichstätt mit Busanbindung realisieren konnte?

Seit 2011 wird der neue Stadtteil Spitalstadt zwischen Bahnhofsgelände und Altmühl errichtet. Er soll Raum für Dienstleistungs- und Einzelhandelsunternehmen, Verwaltungseinrichtungen, Wohnungen, ein Hotel und einen neuen Busbahnhof bieten. Die ersten Gebäude wurden 2014 fertig gestellt, der neue Busbahnhof 2015. Bis 2020 soll ein Viersterne-Tagungshotel gebaut werden. Die ersten Geschäfte haben aber schon wieder geschlossen.

Die Planungen dazu liegen noch viele Jahre mehr zurück und das macht sich an der Gestaltung der Gebäude auch bemerkbar, die - von oberhalb der Stadt ausgesehen – nicht so richtig ins Gesamtbild einer Historischen Stadt passen wollen und fast wie eine Trabantenstadt wirken.

Neben der Spitalstadt führte eine Brücke über die Altmühl, auf der man schnell und sicher in die Stadtmitte gekommen ist. So lange, bis sie wegen Baufälligkeit gesperrt werden musste. Man hat im Stadtrat wieder einmal viel diskutiert und geredet und so vergingen schon einmal Monate bis überhaupt ein Behelfssteg vom THW eingerichtet wurde. Noch einmal so viel Zeit verging bis man sich entschlossen hat einen Neubau zu errichten.

Faktum ein Ähnliches Spiel wie mit dem Inselbad

Neu geplant, neu gebaut, und dann nur für den Sommerbetrieb ausgelegt. Das bestehende Hallenbad, was schon sehr in die Jahre gekommen ist und noch aus Zeiten meiner Kindheit, also der 70er Jahre stammt, muss weiter herhalten.

Vielleicht stimmt aber hier in der Stadt auch der Spruch: Viele Köche ( im Stadtrat ) verderben den Brei.

Zugegeben – einiges hat sich seit meiner Jugend in Eichstätt zum Positiven verändert. Die Altstadt wurde verkehrsberuhigt, viele Fachwerkhäuser sind saniert, das Kulturprogramm ist Vielfältiger  geworden, und das Industriegebiet wurde vergrößert.
Nur wurde anscheinend übersehen, das mit mehr Wohnraum um die Stadt und mehr Betrieben im Industriegebiet auch das Verkehrsaufkommen in und um die Stadt steigt, und im Straßenausbau ist all die Jahre nichts passiert, und für eine Abwechslungsreiche Fußgängerzone mit Geschäften wurde ebenfalls nichts getan.

Geschäfte in der Innenstadt kommen, und gehen nach ein paar Monaten wieder. Alte Geschäfte finden keinen Nachfolger, hören auf und es machen Gerüchte die Runde das noch ein Bäcker kommen soll, da Semmeln und Brot immer gehen.

Das Juramuseum auf der Willibalds Burg bringt auch Jahr für Jahr Touristen nach Eichstätt.
Dieses soll aber demnächst auch geschlossen werden, da sich Augenscheinlich kein neuer Träger dafür findet.

Das Gaststättengewerbe in der Domstadt hat mit dem Hotel Schönblick ein sehr schönes Hotel der gehobenen Klasse mit einem großartigen Wellnessbereich und Pool als Aushängeschild vor ein paar Jahren bekommen. Wenn man vorbei schaut macht es aber nicht gerade einen Überbuchten Eindruck, obwohl es eine TOP Lage mit Blick über die Stadt hätte. Vielleicht etwas zu gehoben für eine Studentenstadt?

Das Hotelgewerbe schläft seit Jahren einen Dornröschenschlaf, der sich mit dem neuen Hotel am Bahnhof hoffentlich langsam dem Ende zuneigt. Denn es ist nicht zu übersehen, dass Jahr für Jahr mehr Touristen durch Eichstätt kommen, die sich allesamt beeindruckt zeigen von so viel Barock und Idyllik. Darum baut man jetzt auch das neue 4 Sterne Hotel am Bahnhof.
Mal sehen wie ausgebucht dieses dann sein wird und was die Gäste zu den Möglichkeiten sagen, die sich ihnen am Abend in der Stadt bieten.

Doch vielleicht richtet man ja einen Shuttle Service nach Ingolstadt ins Theater, Kino oder zum Einkaufen ein.

Wenn ich als Wander- oder Radtourist in Eichstätt Urlaub machen würde, dann würde ich ein Quartier suchen das auch bezahlbar ist. Den ersten Tag verbrächte ich damit, die Altstadt abzulaufen.
Nachdem ich durch die Kirchen und Gassen spaziert wäre, kehrte ich beim Gutmann ein, da sich sonst nicht viel in der Stadt mit Gutbürgerlicher Altmühltalküche anbietet.

Am zweiten Tag würde ich eine Mountainbike Tour um die Stadt machen, am dritten Tag je nach Wetterlage, mich entweder dem Jura Museum widmen oder am Panoramaweg über der Stadt laufen. Am dritten Tag würde es schon schwer werden etwas zu finden. Vielleicht würde ich nach Ingolstadt fahren, und bei schlechtem Wetter ins Audi Museum oder zum Einkaufen gehen.

Werde ich gefragt, wohin man in Süddeutschland fahren solle, was sich jenseits der einschlägigen Ziele denn sonst noch lohnen würde, nenne ich oft das Altmühltal. Doch es gibt andere Städte im Tal die es besser verstehen auf Tourismus zu setzen.

Was ich mir von der Stadt wünschen würde


Das Mountainbiken im Tal und um die Stadt mehr Fördern und nicht nur auf die Panoramawegwanderer setzen, die meist am nächsten Tag wieder weiterziehen.

Biker bleiben länger, wenn es gute Trails zum Fahren gibt, die auch entsprechend ausgeschildert sind!

Endlich einmal eine abwechslungsreiche Auswahl von guten Geschäften in der Stadt ansiedeln und nicht so viel Leerstände lassen!

Ein Parkplatzkonzept das Hand und Fuß hat mir moderaten Parkgebühren erstellen und sich um die Straßensanierungen und dessen Ausbau kümmern.

Wenn der Residenzplatz mit dem Kopfsteinpflaster so vom Flair der damaligen Epoche auf die Besucher wirken soll, dann möchte ich einmal sehen wie da Kutschen unterwegs gewesen wären?

Mehr Ausstellungen, Multivisionsshows und ein Kultur und Nachtleben, das nicht nur auf Senioren und Studenten zugeschnitten ist.

In diesem Sinne – macht mal Urlaub in Eichstätt im Altmühltal – und euch selbst ein Bild!




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